{"id":448,"date":"2021-02-16T14:02:47","date_gmt":"2021-02-16T13:02:47","guid":{"rendered":"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/?p=448"},"modified":"2025-06-04T09:57:34","modified_gmt":"2025-06-04T07:57:34","slug":"graue-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/2021\/02\/graue-zeiten\/","title":{"rendered":"Graue Zeiten"},"content":{"rendered":"<h3>Von Ammern und anderen winterlichen Beobachtungen<\/h3>\n<p>In einer lichtarmen Zeit wie jetzt erscheint einem manches besonders farblos und trist. Wer dann auch noch wie ich in Husum, der \u201egrauen Stadt am Meer\u201c lebt, muss bei Nebel, Regen und Sturm auch an diesen Facetten der K\u00fcste seinen Gefallen finden. Der weite Blick \u00fcber die Marschen und Naturschutzk\u00f6ge, aber vor allem der weite Horizont \u00fcber dem Wattenmeer geben Kraft und Zuversicht auch zu diesen schwierigen Zeiten. Man sehnt sich nach jedem Lichtstrahl, sonnige Tage werden gefeiert. Diesem k\u00f6rpereigenen Bed\u00fcrfnis nach mehr Helligkeit bin ich j\u00fcngst etwas nachgekommen \u2013 mit neuer Fernoptik von <a href=\"https:\/\/orniwelt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Orniwelt<\/a>. Meinem lang gehegten Wunsch, die Vogelwelt mit einem <a href=\"https:\/\/orniwelt.de\/serien\/spektive-serien\/kowa\/prominar-mit-fluoritkristalllinse\/651\/tsn-880-serie?number=200198\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kowa TSN 884<\/a> zu betrachten, schob ich nun nicht mehr l\u00e4nger auf. Auf was sollte ich noch warten? Der Wert eines einzelnen Tages ungetr\u00fcbten Naturerlebnisses erschien mir gerade jetzt besonders gro\u00df.<\/p>\n<p>Helligkeit ist der Tr\u00e4ger f\u00fcr Farbe und Kontrast. Das Bild wird \u201elebendiger\u201c. Im Winter gibt es an unserer Westk\u00fcste einige besonders grau wirkende Vogelarten zu beobachten. Dazu z\u00e4hlen vor allem die vielen nun schlicht gef\u00e4rbten Watvogelarten wie Alpenstrandl\u00e4ufer, Knutt und Rotschenkel, aber auch Singv\u00f6gel wie Strandpieper und Grauammer. An letztgenannter Art kann man die Vorteile ausgezeichneter Premiumoptik besonders lieben lernen. Jedes Gefiederdetail lassen diese Ammernart bei n\u00e4herer Betrachtung zu einer wahren \u201eBeauty\u201c werden, was man hinter ihrem deutschen Namen nicht vermuten mag.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-479 size-medium\" src=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-300x220.jpg\" alt=\"Grauammern, untersch\u00e4tzte Sch\u00f6nheiten\" width=\"300\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-300x220.jpg 300w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-1024x750.jpg 1024w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-768x563.jpg 768w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-1536x1125.jpg 1536w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk-800x586.jpg 800w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammer-fwlk.jpg 1657w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Besonders erfreulich ist, dass diese ehemals \u2013 bis in die 50iger und Anfang der 60iger Jahre &#8211; als \u201eh\u00e4ufiger Charaktervogel in Marsch und Geest\u201c beschriebene Art, in den letzten Jahren nach einem verheerenden Bestandseinbruch nun in Nordfriesland wieder eine bemerkenswerte Zunahme zeigt. War man zuvor noch \u00fcber jede Grauammer-Beobachtung in den Salzwiesen des Nationalparks Wattenmeer verwundert und entsprechend erfreut, zeigen sich nun, seit dem Winterhalbjahr 2018\/19 sogar gro\u00dfe, ja &#8211; bis dreistellige Trupps in den Vorl\u00e4ndern der K\u00fcstenperipherie. \u00dcber die Ursachen des abrupt eingesetzten Anstiegs der Winterbest\u00e4nde gibt es im Moment noch keine Klarheit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-451 size-medium\" src=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-300x192.jpg\" alt=\"Grauammern dr\u00fccken sich bei Beunruhigung tief in die Vegetation.\" width=\"300\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-300x192.jpg 300w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-1024x656.jpg 1024w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-768x492.jpg 768w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-1536x984.jpg 1536w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-800x512.jpg 800w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>So musste ich mich tats\u00e4chlich erst etwas an den Anblick von Grauammertrupps am Deich und mitten in den Salzwiesen gew\u00f6hnen. Am Deichfu\u00df zeigen sie sich oft in Gesellschaft der habitattypischen Nutzer der dortigen Samenf\u00fclle: Ohrenlerchen, Schneeammern und Bergh\u00e4nflinge.<\/p>\n<p>Dabei fiel mir ein interessantes Ph\u00e4nomen auf: Auf gr\u00f6\u00dfere Entfernung wirken Verb\u00e4nde von Grauammern, die z. B. bei einem \u00dcberflug eines Merlins im dicht gedr\u00e4ngten Verband in einige H\u00f6he fliegen und dort abwartend Schwarmverhalten zeigen, durch fehlenden Gr\u00f6\u00dfenvergleich und im Verh\u00e4ltnis \u00e4hnlich geringer Individualabst\u00e4nde an einen Bergh\u00e4nflingtrupp erinnern k\u00f6nnen. Erstaunlich, bei einem Spannweitenunterschied von immerhin fast 8 cm und dem Fakt, dass eine Grauammer ca. so viel wiegt, wie zwei bis drei Bergh\u00e4nflinge zusammen\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-480 size-medium\" src=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-300x201.jpg\" alt=\"Grauammern im Schilf\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-300x201.jpg 300w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-1024x687.jpg 1024w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-768x515.jpg 768w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-1536x1031.jpg 1536w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog-800x537.jpg 800w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/grauammern-rickelsbueller-koog.jpg 1554w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Deutlich unterschiedlich hingegen ist das Truppverhalten bei der Nahrungssuche. W\u00e4hrend Bergh\u00e4nflinge irgendwie immer rastlos unterwegs sind und bei der Suche nach S\u00e4mereien h\u00e4ufig wie auf einem Flie\u00dfband \u00fcber die niedrige Vegetation \u201erollen\u201c (so wie man es auch von Schneeammern kennt\u2026 die jeweils letzten V\u00f6gel fliegen an die Spitze des Trupps usw., usw. \u2026), zeichnen sich Grauammer-Trupps besonders durch ihre Unauff\u00e4lligkeit aus. Sie dr\u00fccken sich bei Beunruhigung zun\u00e4chst tief in die Vegetation, verschwinden dabei f\u00fcr den Betrachter fast komplett und bewegen sich generell bei der Nahrungssuche auf das N\u00f6tigste beschr\u00e4nkt. Bergh\u00e4nflinge k\u00f6nnen kaum stillhalten. Der Knall vom Zuklappen eines Schaftores bringt den Schwarm sofort zum Auffliegen &#8211; untermalt von einem vielstimmigen nasalen \u201edw\u00e4ing, dw\u00e4ing\u201c-Rauschen. Wenn Grauammern in der h\u00f6heren Salzwiese einfliegen, dann bleiben anfangs meist noch einzelne V\u00f6gel auf den Spitzen der verholzten \u00e4lteren Strandastertriebe sitzen. Sie r\u00fccken dann aber Vogel f\u00fcr Vogel in die Bodenregion nach und besch\u00e4ftigen sich dort mit der Samensuche. Ein solcher Trupp ist dann wie \u201everschwunden\u201c und oft bedarf es erst dem zuf\u00e4lligen \u00dcberflug einer Kornweihe, dass die V\u00f6gel beim Aufliegen wieder sichtbar werden.<\/p>\n<p>Hoffentlich bleibt uns die Grauammer in der jetzigen Gr\u00f6\u00dfenordnung auch zuk\u00fcnftig ein belebendes Element der winterlichen Vogelwelt am Deich. Viel Spa\u00df bei ihrer Beobachtung!<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"210\" class=\"alignright size-medium wp-image-452\" src=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-300x210.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-300x210.jpg 300w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-1024x716.jpg 1024w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-768x537.jpg 768w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-1536x1074.jpg 1536w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-2048x1431.jpg 2048w, https:\/\/orniwelt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/martin-2-800x559.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h5>Martin K\u00fchn<\/h5>\n<p>ornitho-Regionalkoordinator f\u00fcr Dithmarschen und Nordfriesland, Mitglied der Avifaunistischen Kommission in Schleswig-Holstein und Hamburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Ammern und anderen winterlichen Beobachtungen In einer lichtarmen Zeit wie jetzt erscheint einem manches besonders farblos und trist. 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Im Winter gibt es an unserer Westk\u00fcste einige besonders grau wirkende Vogelarten zu beobachten. Dazu z\u00e4hlen vor allem die vielen nun schlicht gef\u00e4rbten Watvogelarten wie Alpenstrandl\u00e4ufer, Knutt und Rotschenkel, aber auch Singv\u00f6gel wie Strandpieper und Grauammer. An letztgenannter Art kann man die Vorteile ausgezeichneter Premiumoptik besonders lieben lernen. Jedes Gefiederdetail lassen diese Ammernart bei n\u00e4herer Betrachtung zu einer wahren \u201eBeauty\u201c werden, was man hinter ihrem deutschen Namen nicht vermuten mag. Besonders erfreulich ist, dass diese ehemals \u2013 bis in die 50iger und Anfang der 60iger Jahre &#8211; als \u201eh\u00e4ufiger Charaktervogel in Marsch und Geest\u201c beschriebene Art, in den letzten Jahren nach einem verheerenden Bestandseinbruch nun in Nordfriesland wieder eine bemerkenswerte Zunahme zeigt. War man zuvor noch \u00fcber jede Grauammer-Beobachtung in den Salzwiesen des Nationalparks Wattenmeer verwundert und entsprechend erfreut, zeigen sich nun, seit dem Winterhalbjahr 2018\/19 sogar gro\u00dfe, ja &#8211; bis dreistellige Trupps in den Vorl\u00e4ndern der K\u00fcstenperipherie. \u00dcber die Ursachen des abrupt eingesetzten Anstiegs der Winterbest\u00e4nde gibt es im Moment noch keine Klarheit. So musste ich mich tats\u00e4chlich erst etwas an den Anblick von Grauammertrupps am Deich und mitten in den Salzwiesen gew\u00f6hnen. Am Deichfu\u00df zeigen sie sich oft in Gesellschaft der habitattypischen Nutzer der dortigen Samenf\u00fclle: Ohrenlerchen, Schneeammern und Bergh\u00e4nflinge. Dabei fiel mir ein interessantes Ph\u00e4nomen auf: Auf gr\u00f6\u00dfere Entfernung wirken Verb\u00e4nde von Grauammern, die z. B. bei einem \u00dcberflug eines Merlins im dicht gedr\u00e4ngten Verband in einige H\u00f6he fliegen und dort abwartend Schwarmverhalten zeigen, durch fehlenden Gr\u00f6\u00dfenvergleich und im Verh\u00e4ltnis \u00e4hnlich geringer Individualabst\u00e4nde an einen Bergh\u00e4nflingtrupp erinnern k\u00f6nnen. Erstaunlich, bei einem Spannweitenunterschied von immerhin fast 8 cm und dem Fakt, dass eine Grauammer ca. so viel wiegt, wie zwei bis drei Bergh\u00e4nflinge zusammen\u2026 Deutlich unterschiedlich hingegen ist das Truppverhalten bei der Nahrungssuche. W\u00e4hrend Bergh\u00e4nflinge irgendwie immer rastlos unterwegs sind und bei der Suche nach S\u00e4mereien h\u00e4ufig wie auf einem Flie\u00dfband \u00fcber die niedrige Vegetation \u201erollen\u201c (so wie man es auch von Schneeammern kennt\u2026 die jeweils letzten V\u00f6gel fliegen an die Spitze des Trupps usw., usw. \u2026), zeichnen sich Grauammer-Trupps besonders durch ihre Unauff\u00e4lligkeit aus. 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